Rückblick

Hallo Du.

Vom ersten Tag, als ich das kleine Bündel im Arm hielt, war da tiefe Liebe.
Mein Herz außerhalb meines Körpers.
Der Sinn meines Lebens.
Keine Liebe war je größer.
Mein platzendes Herz, wenn ich dich anschaue.
Gefühle die eine Mutter unbedingt haben sollte.
Am ersten Tag, wenn sie das kleine Bündel in ihrem Armen hält.

Wir starren und stundenlang an.
„Hallo Du, wer bist Du? Wer bin ich?“

Was stimmt nicht mit mir?
Nichts davon fühlte ich.
Angst!
Verunsicherung!
Das ja.
Aber pure Liebe?
Nein.
Fremd im eigenen Körper.
Autopilot an.
Stillen.
In den Arm nehmen wenn sie weint.
Und dann, verzweifeltes Suchen nach Gefühlen für dieses kleine Bündel in meinen Armen.
Sie greift meine Hände.
Nichts.
Wir starren und stundenlang an.
„Hallo Du, wer bist Du? Wer bin ich?“
Kein Spruchbild über Muttergefühle traf auf mich zu.
Ich war froh, dass sie überlebte.
Hasste das Stillen.
Ertrug diese dauernde, körperliche Nähe mehr schlecht als recht.
Der Autopilot tat seine Arbeit.
Ich weinte.
Bekam Panik.
„Sie bleibt nun für immer.“
Ist dir klar was ‚für immer: heißt?
Es gibt kein Zurück ins früher.
Ich brach zusammen.
Der Autopilot nimmt sie in den Arm.
Riecht an ihrem Kopf.
Kaffeesahne.
Ich liebe Kaffeesahne.
Aber sie?
Wahrscheinlich.
Ein bisschen.
„Hallo Du, wer bist Du? Wer bin ich?“
Was machen wir hier eigentlich?
Ich fühle mich leer.
Falsch.
Der Autopilot streichelt sie.
Ich stehe daneben.
Esse Schokolade und weine.
Und dann
nach Tagen?
Wochen?
Nehme Ich sie in den Arm.
Sie weint.
Ich weine.
Und ein Feuerwerk entzündet sich in meinem Herzen.
„Ich liebe dich, Maus!“
Flüstere ich leise in ihr Ohr.
„Ich liebe dich doch so sehr!“
Und dann schalte ich den Autopiloten aus
Setze mich ans Steuer.
„Hallo Du, das bin Ich. Und das bist Du!“
Wir fahren los.
Gemeinsam.
Wir mussten uns erst finden.
Kennenlernen.
Und dann roch ich an ihrem Kopf.
Kaffeesahne.
Ich liebe Kaffeesahne.
Und sie.
Vor allem liebe ich sie.

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Rückblick

Gebären für Anfänger (2/2)

Mit dem Umzug waren wir voll ausgelastet.
Ich habe mir nicht die Zeit genommen – nicht nehmen können – um mich von mir zu verabschieden.  Ich habe auch meine Schwangerschaft nicht verabschiedet, so dass die Wehen mich eher überraschten, statt eine willkommene Freude zu sein.

„Wenn du dich fragst, ob es Wehen sind, dann sind es keine!“

Da lag ich nun im Bett und überlegte ob es welche sind oder nicht.
Laut App, unregelmäßig aber kurze Abstände und länger als 40 Sekunden. Könnten nur die Übungswehen sein. Könnten aber auch echte sein.
Abwarten.
Ich gehöre nicht zu den Menschen die gerne falschen Alarm schlagen und so habe ich gewartet bis mein Mann endlich vom Wecker geweckt wurde.

Wir gingen unserer Morgenroutine nach, frühstückten, tranken Tee und überlegten ob er zur Arbeit fährt oder doch lieber zu Hause bleibt.

Den berliner Straßenverkehr im Hinterkopf behaltend entschieden wir uns fürs zu Hause bleiben und gegen
8:30 Uhr fuhren wir dann doch ins Krankenhaus.
Mir waren die Abstände einfach zu gering um in Ruhe zu Hause bleiben zu können.
Teils nicht mal 3 Minuten.

Man hatte ja dann doch zu viel gelesen – auch über Sturzgeburten.

Wehen im Auto empfehle ich niemanden

Ohne Stunteinlage oder anderen aktionreichen Fahrkünsten fuhr der Mann uns zum Ziel. Aber die Wehen auf dem Beifahrersitz mit der rutschigen Wickelunterlage unterm Po waren auch aufregend genug.

Im Krankenhaus angekommen suchten wir direkt den Kreissaal auf „Kann ich den CTG Termin für morgen noch absagen? Ich glaube ich habe Wehen.“
Ab ins Wartezimmer, Formulare ausfüllen.
Was für ein Zettelwahnsinn.
Ich weiß heute nicht mehr ob ich eine Waschmaschine gekauft oder meine Niere verkauft habe.

Bürokratie.
Unter Wehen.
Ha ha.

Bei der Gynäkologin, erstmal Ultraschall. Über irgendwas aufgeklärt werden. Spazieren gehen bis zum CTG Termin.
Also nicht Samstag, sondern gleich. Wenn das Gerät frei ist.

Draußen wurde es inzwischen unerträglich warm und schwül. Der heißeste Tag des Jahres.
Gefühlt, des Jahrhunderts! Und ich darf mich hier abarbeiten.
Wir blieben im Treppenhaus. Dort war es kühler. Treppen rauf. Treppen runter. Verkrampfen. Ja, das veratmen hatte ich nicht so drauf. Also schnaufte ich eher wie ein leidender Hund von Stufe zu Stufe, der Mann nebenher dabei.

Gehen Sie mal weiter spazieren

Das CTG war unauffällig auffällig, es gab Wehen. Aber nichts beeindruckendes. Also durften wir wieder durch die Gegend spazieren – definitiv nicht mit mir! Ich schlurfte krampfend und hechelnd Richtung Wartezimmer. Da gab es eine Klimaanlage und einen Wasserspender. Hallo?!

Während ich versuchte irgendwelche Anamnesebögen für eine eventuelle PDA auszufüllen, wehte ich vor mich hin und sehnte mich nach einem Gin Tonic. Wir lernten Menschen kennen. Sie kamen und gingen und bekamen ihren Kinder während ich weiter wehte und nur das Mantra „Jede Wehe bringt dich näher zu deinem Kind“ in mir wiederholte.

CTG die zweite. Wir hatten sicher nach Ein Uhr. Ich wollte nicht liegen, also auf dem Ball sitzen. War doof. Also doch liegen. Das CTG schrieb und das Galopp des Herzschlages unserer Tochter hallte durch den Raum wie die Reiter Rohans.

Und dann kam diese fiese gemeine Wehe. Dieser unbändige Druck nach unten, ein unhörbares ‚Plopp‘ und dann: unfassbare Erleichterungen.
Die Fruchtblase war geplatzt und die darauffolgende Wehe nicht mehr so schmerzhaft.
Herr Dingsdabums rief die Hebamme zu uns und ich wurde nun offiziell als Gebärende aufgenommen.

Juhuu!

Gewalt in der Geburtshilfe mal anders.

Aus diversen Geburtsberichten wusste ich, was nun kommt: das Abtasten vom Muttermund.
Womit aber niemand gerechnet hat?
Ich war so erschrocken über das ziepende Gefühl, dass ich automatisch versuchte mich aus dem Griff der Hebamme zu befreien, woraufhin sie mein Becken festhielt und ich sie schlug. 

Ja, ich habe der Hebamme ordentlich auf den Arm geschlagen!

Und es tat mir unendlich leid. Ein Affekt den ich nicht ansatzweise unter Kontrolle hatte. Zum Glück hat sie mir verziehen.

Wir hatten inzwischen 14 Uhr, ich hatte also schon seit knapp 10 Stunden meine Wehen und der Muttermund? Der ist sicher schon total weit offen, gleich habe ich ganz sicher mein Baby im Arm.

„Muttermund bei 2 cm“

Darf ich mir die Kugel geben?
Wir wurden nun in einen anderen Raum im Kreißsaal verlegt, warum weiß ich gar nicht mehr.
Dort schlüpfte ich aus meinen durchnässten Anziehsachen raus und rein in das wunderschöne OP Hemd. Meine Kreißsaaltasche war nämlich noch im Auto und das Hemd war mir lieber als meine eigenen Klamotten.

Ich wurde gefragt ob ich eine PDA wolle, ich würde sehr oft und stark wehen aber es habe kaum Auswirkungen auf meinen Muttermund. Daher solle ich mich schnell entscheiden, eventuell ein bisschen Kraft sammeln. Mal durchatmen.

Ich wollte nicht. Das packen wir auch so. Und ich brüllte ins Kissen. Ich zerdrückte die Hand meines Mannes und zwischendurch quatschen wir als sei nichts.

In den Wehen war ich zu verkrampft, ich hatte das Bedürfnis zu schreien zu schlagen, Dinge zu zerquetschen.
In den Wehenpausen ging es mir super. Nur schade, dass diese Pausen so kurz waren. Kaum Zeit zum Luft holen und Erleichterung nur, wenn Fruchtwasser abging.

Verdammt! Her mit der PDA

Die Anästhesistin wurde gerufen. Mir der Wehenhemmer gespritzt. Was für eine geile Sache. 10 Minuten keine Wehen.
Rumgerüttel am Rücken. Fluchen. Abbruch. Anfrage nach einer weiteren Anästhesistin. Sie findet keinen Zugang „Betriebsblind“ sagt sie. Lieber eine Kollegin gucken lassen, statt die PDA falsch zu setzen.

Finde ich großartig. Sehr sympathisch – das habe ich schon anders erzählt bekommen. Und wir wissen alle, wie eine fehlerhaft gesetzte PDA wirken kann.

Der Wehenhemmer verliert seine Wirkung und zwischen den Wehen kann die PDA nicht gesetzt werden „Ihre Wehen kommen zu kurz nacheinander“
Ach was?!
Wieder Wehenhemmer. Wieder im Himmel. Warum nicht das Zeug die ganze Zeit?

Die PDA sitzt. Wir haben nun gegen 16 Uhr.
Ich darf mich nicht mehr viel bewegen – will ich auch gar nicht. Vierfüßler, laufen, stehen? Nein, danke ich liege gemütlich.
Ich soll genug trinken, der Mann kümmert sich rührend um mich. Komme an eine Infusion. Oder sowas. Ab jetzt ist alles nur noch ein dumpfer Nebel.

Die Schmerzen sind nicht mehr so schlimm, aber sie sind da. Ich schreie nicht mehr, aber ich wimmere, zerdrücke die Hand meines Mannes und kralle mich am Griff des Bettes fest. Ich will nicht wissen, wir stark die Schmerzen ohne PDA wären.

Inzwischen bekomme ich auch Globuli und immer wieder wird der Muttermund abgetastet. Ich habe das Gefühl, dass sich einfach nichts tut.
Irgendwann wird es dunkel, der Mann holt sich etwas zu essen.
Ich habe keinen Hunger. Ich will hier endlich fertig sein.

Irgendwann wird die Hebamme etwas hektischer. Das Kind hat den Kopf gedreht – Sternengucker, nannte sie es, sie muss die Wehen wieder starten und ich muss mich auf die Seite legen. Vierfüßler. Andere Seite. Den Kopf des Babys wieder richten.
Ich mache alles. Schlucke Globuli wie Smarties und trinke das Wasser das mein Mann mir reicht.

Schichtwechsel, die dritte Hebamme stellt sich vor.

Es muss gegen 22 Uhr sein als die neue Hebamme sich vorstellt. Ich hoffe, dass sie die Letzte ist.

Ich Wehe und habe das Gefühl, die PDA wirkt gar nicht. Ich habe keinen Überblick mehr.
Kurze Zeit später wird das CTG abgeschaltet. Das Baby liegt nun so tief, die Herztöne können nicht mehr aufgenommen werden. Sie messen glaube ich am Kopf weiter.

Im Infoblatt für meine Hebamme, lese ich später von einem Geburtsstillstand.

Inzwischen gucken öfter mal auch Ärzte rein. Obwohl viel los ist, fühle ich mich nicht allein gelassen. Mir fehlte aber definitiv jemand der bei mir ist und mich anleitet. Ich hatte keine Ahnung was ich da tat und mein Körper wohl auch nicht. Sonst wären wir längst durch, oder?!

Eventuell hätten wir doch einen richtigen Geburtsvorbereitungskurs besuchen sollen.
Der Druck nach unten wurde immer explosiver. Es änderte sich etwas und die Hebamme kam öfter vorbei und blieb länger.

„Du schaffst das! Ich bin auch so klein und zierlich und habe zwei Kinder mit großem Kopfumfang aus mir raus bekommen!“

Ich erfuhr auch, dass draußen wohl schon über einen Kaiserschnitt nachgedacht wurde. Eine Anästhesistin und OP Besteck waren schon bereit. Der Arzt war informiert. Aber die Hebamme hielt die Stellung „Vertrau mir, du schaffst das! Und jetzt drücken! Als wenn du auf Klo gehst nach unten drücken! Nein, nicht die Zähne zusammen beißen! Nach unten drücken!“ bellte sie mir die Befehle nach oben.

Und plötzlich war es vorbei, als sei nie etwas gewesen

Fünf mal. Sechs mal.
Ich hatte das Gefühl es total falsch zu machen. Warum konnte ich nicht richtig pressen?!

Sieben mal.

„Ich kann nicht mehr!“
„Doch, weil da ist der Kopf, willst du mal fühlen?!“
„Nein bloß nicht!“
Warum ich nicht wollte? Keine Ahnung. Ich habe im Laufe des Tages komplett den Bezug zur Geburt verloren. Ich habe es über mich ergehen lassen.
Und ich presste, weil ich wollte das es aufhört. Sie müssten eben einen kleinen Dammschnitt machen, das Baby bekommt die Kurve nicht, hörte ich „Ja ja, macht nur!“ und plötzlich war all der Druck verschwunden.

Als hätte ich nie Wehen gehabt.
Als sei der ganze Tag nie gewesen und da war eine Ruhe in mir.
Dort hielten sie dieses kleine, rosane Bündel hoch. Sie schaute uns direkt an „Hier bin ich!“ sagte ihr Blick herausfordernd und ja, da war sie!
Ich fühlte nichts und dennoch so viel. Erschöpfung überwog, kein romantisches in Tränen ausbrechen. Keine Finger und Zehen zählen – ich wusste, das alles da war.

Ich wollte die Nabelschnur auspulsieren lassen. Nicht möglich, da sie zu kurz war. Mein Mann trennte also die Verbindung von unserem Baby zu mir und sie wurde mir auf den Bauch gelegt.

Zeit fürs Bonding. Da lag sie nun und suchte ihren Weg zur Brust. Erste Anzeichen ihres Charakters machten sich deutlich, als sie anfing bis zu meinem Gesicht zu robben. Sie wollte uns sehen. Die Neugier wer wir sind, war stärker als der Hunger.

Willkommen du willensstarkes Mädchen. Entdecke du nur die Welt, ich denke für dich ans Essen.

25.06.2016

1:07 Uhr / 3705g / 51cm / 37 KU

Ich wurde genäht, die halbe Belegschaft kam rein um mir zu gratulieren und das Baby zu bestaunen und wir sagten unseren Eltern bescheid. Nach zwei Stunden kamen wir in ein Zimmer und ich bekam etwas zu Essen.

Alles war so wirr. Unrealistisch.

Da lag das Baby und schlummerte in dem Beistellbett vor sich hin und ich aß um 4 Uhr morgens eine Scheibe Brot mit Käse und trank einen Früchtetee.

Als sei sie schon immer bei uns gewesen.






Am liebsten hätte ich ein Familienzimmer gehabt.
Eine Höhle.
Einen Ort an dem das Baby, der Mann und ich unsere Ruhe hätten haben können.

Nur wir 3. Eine Woche nur wir.

Aber die Welt will Anteil nehmen und dabei sein und ich war zu schwach, zu müde und höflich, zu überwältigt um „nein“ zu sagen und so kam direkt ein paar Stunden später Besuch und kurz danach eine neue Zimmernachberin und so war der Traum vom gemeinsamen ankommen weiter nur ein Traum.

Die Tage bis zur U2 vergingen, die U2 kam und wir durften aus Sorge um das Gewicht noch einen Tag länger bleiben. Aber das ist eine andere Geschichte und fügt sich mit dem Start in eine weniger schöne Wochenbettzeit.


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Gedanken

Ich habe dich vermisst.

Ich wusste erst wirklich, wie sehr ich dich brauche, als du dich plötzlich nicht mehr gemeldet hast…

Als du plötzlich immer unzuverlässiger an unserem Leben teilgenommen hast, war ich wütend auf dich.
Die Arbeit wuchs mir über den Kopf, es wurde nicht weniger und du hast einfach entschlossen dich zurück zu ziehen.
Das Feuer sei erloschen, sagtest du.
Keine Wärme sei mehr zwischen uns und der Dunst des Traumes von Ewigkeit sei verdampft.

Als du dich gar nicht mehr gemeldet hast, dachte ich noch ‚Das schaffe ich mit links, ich brauche dich nicht!‘ aber ich habe nicht erkannt wie wertvoll du für uns geworden bist. Die Arbeit, die du geleistet hast – ohne dich je zu beschweren.

Ich wollte dich wieder.
Du bist Teil unseres Lebens – wir brauchen dich!

Ein paar Tage habe ich es irgendwie ohne dich geschafft. Aber es war alles zu viel für mich. Also rief ich an; erst die eine Nummer, dann die Andere und nach einem kurzen aber klärenden Gespräch hatten wir einen Termin.

Du hast dich überzeugen lassen. Du warst auch kaputt, auch dir wurde es zu viel. Wir wurden unachtsam und haben uns nicht mehr wertgeschätzt. Für selbstverständlich hielt ich dich und wurde eines besseren gelehrt.

Ich werde mich bessern und weiß nun endlich, welche Erleichterung du für uns bedeutest.

Bitte verlasse uns nicht mehr, ich habe dich schrecklich vermisst, du beste Spülmaschine aller Zeiten.

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Rückblick

Gebären für Anfänger (1/2)

Da ist man plötzlich schwanger und die Geburt rast in einem unaufhaltsamen Tempo auf einen zu. Es gibt kein Zurück und man muss da nun irgendwie durch – die Sintflut an Informationen überschwemmt einen und neben meinem Talent mich in Dinge einzulesen, habe ich auch das Talent der ultimativen Verdrängung.
Über alles habe ich gelesen…
Nur die Geburt an sich, auf die habe ich mich nebenbei vorbereitet.
In einem Crashkurs.
An einem Wochenende.

Ich war nicht super gerne schwanger und die Geburt an sich war für mich ein unumgänglicher Vorgang, der dazu gehört. Ich empfand es auch nicht als schlimm, so läuft es nun mal, wenn man ein Baby will:
Man wird Schwanger und am Ende liegt man da im Kreißsaal und schreit sich die Seele aus dem Leib.
So die Vorstellung.

Pragmatisch? Kann ich.

Dass es nicht der Kreißsaal sein musste war mir bewusst, ein Geburtshaus hätte ich schön gefunden. Da der Umzug nach Berlin aber relativ spontan zustande kam – als ich schon schwanger war – war es natürlich zeitlich und logistisch nicht mehr möglich sich auch darum zu kümmern.
Ich bin schon mehr als glücklich, dass es mit meiner Hebamme zur Nachsorge funktioniert hat – die wichtigste Person für mich und im Nachgang nicht mehr wegzudenken. Dazu aber ein andermal.

Also suchten wir uns ein Krankenhaus. Was war mir wichtig? Selbstbestimmung, nicht ans Bett gefesselt werden. Ich wollte Bewegung. Stehen. Hocken – im Handstand mit dem Popo Fliegen fangen dürfen. Ich wollte die Möglichkeit in ein Familienzimmer zu ziehen. Mein Mann sollte bei mir sein, immer!
Das Baby sollte bei mir bleiben, erst nach dem Bonding die U1, Stillen sollte unterstützt werden und das Baby nicht in einem „Babyraum“ abgegeben werden. 24h-Rooming-Inn. Sozusagen wie zu Hause, nur ohne die Putzaktion danach.

Werbeveranstaltung vom Krankenhaus oder auch: Infoabend

Letztendlich haben wir uns auch nur in einem Krankenhaus den Infoabend angetan. Es war mitten in der Woche und dennoch hoffnungslos überfüllt, sogar von Frauen bei denen man noch keinen Bauch gesehen hat – ich denke das beschreibt die Situation in Deutschland ziemlich gut: wenig Kreißsäle, Angst auf dem Flur entbinden zu müssen und immer mehr Schwangere.
Das Krankenhaus war streckenmäßig für uns am besten zu erreichen und nebenbei konnte es die meisten meiner Wünsche erfüllen.
Leider ist es ja heute so, dass Familienzimmer nicht garantiert werden können – wer zuerst weht malt zuerst. Oder wer die bessere Versicherung hat, das verschweigen die aber.
Vermute es dennoch sehr stark.

Irgendwann, so kurz vor zwölf…

Um es einer Gebärenden ganz einfach zu machen, gibt es natürlich ganz viele tolle Ratschläge wie:

  • Geburtsplan erstellen
  • Krankenhaustasche packen
  • Kreißsaaltasche packen
  • Babys erstes Outfit

Und dann googelst du und wirst erschlagen. Die Listen sahen aus. Wow! Wie ganze Urlaubsplanungen. Ey, hallo?! Wenn alles gut läuft ist man doch nur max. 3 (DREI!) Tage im Krankenhaus.
Und als verunsicherte und harmongesteuerte Schwangere willst du das erstmal ALLES!
Und dann geht dir die Zeit flöten. Ich konnte kaum noch alleine draußen unterwegs sein, war abhängig von anderen und das frustrierte stark. Mein Mann war arbeiten und meine Eltern in Florida – andere Menschen kannten wir hier noch nicht. Also wurde die Liste immer kürzer und kürzer und auf das Mindeste beschränkt.

Rückblickend kann ich sagen: die Kreißsaaltasche war komplett überflüssig. Aber das weiß man ja vorher nicht.
Vielleicht ist dieses ‚Tasche packen‘ ja auch nur zur Beruhigung der werdenden Mutter gedacht.
Kontrolle über eine unkontrollierbare Situation gewinnen. Oder, wie bekommt man sonst noch so die Zeit vor der Entbindung rum?
Jedenfalls ist das meine Erklärung dafür.

Der ET kam und ging und das Baby blieb drin

Der errechnete Termin war der 20. Juni. Aber so ist das mit Statistiken. Meine eigene Rechnung sagte etwas ganz anderes, das es tatsächlich sogar mein Datum wurde amüsiert mich noch heute. Das ist wohl dieser ‚Mutterinstinkt‚ von dem alle sprechen.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass eine Frau im Durchschnitt 268 Tage schwanger ist, ausgehend vom Tag der vermuteten Einnistung habe ich den 25. Juni ausgerechnet.

So war es dann auch…

Fortsetzung folgt

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Rückblick

There and back again

Das Leben geht verworrene Wege um Klarheiten zu schaffen und selbst wenn man glaubt nun endlich klar sehen zu können wird in der Ferne immer der Dunst von Ungewissheit über den Dingen liegen – aber eine Sache sehe ich heute deutlicher denn je:
Ich musste Berlin erst verlassen um zu erkennen wie sehr ich diese Stadt liebe.

Ich war 5 oder 6 Jahre alt als meine Mutter mit mir nach Berlin zu meinem (Stief)Vater zog.
Ich wollte das nicht. Weder den Umzug, noch den neuen Mann in unserem Leben und vor allem wollte ich meine Freunde nicht verlassen – ich hatte aber keine Wahl.
Also saß ich da nun, mitten in Kreuzberg – Oranienplatz (kennt man aus den Nachrichten zum 1. Mai) – weit weg von allem was mir lieb war.

Wir suchten unsere Definition als Familie, der Vater fing an sich selbstständig zu machen, die Mutter versucht sich als Heilpraktikerin und ich? Ich ging zur Schule und weil ich aus einem linken, kreativen, Gründerhaushalt kam und nichts „normal“ war, war ich der Freak der Klasse und das perfekte Mobbingopfer. Super Voraussetzung um sich mit dieser verrückten Stadt anzufreunden.

„Wenn ich groß bin, ziehe ich hier weg! Ich hasse Berlin!“

Ich weiß nicht wie oft ich diese Worte jedem ins Gesicht gespuckt habe, der mir von den Vorteilen dieser Metropole vorgeschwärmt hat, aber es muss oft gewesen sein.

Und irgendwann ergab sie dann tatsächlich die Chance – ich konnte die Stadt verlassen in der ich mich verschluckt fühlte. Die mich unterdrückt hat, zu viele Möglichkeiten für einen kleinen Menschen wie mich, der an die Hand genommen werden wollte.
Laut. Stinkend. Chaotisch.

Das es am Ende die Stadt Essen im Ruhrgebiet wurde war wohl eher ein ungewöhnlicher Umstand. Düsseldorf, Hamburg, Köln – Orte die wahrscheinlich logischer gewesen wären. Aber es war die Zeit des chattens, des „Menschen im www kennenlernens“ und ich lernte jemanden kennen der eben aus Essen kam. Mit 18 also aus der Weltmetrople ins Ruhrgebiet, von dem ich irgendwann mal etwas im Geschichtsunterricht gehört habe.

Trennungen, Menschen kennenlernen, Praktika, Ausbildung, Arbeit ein ganz normales Leben in einer kleinen, konservativen Stadt an der Ruhr. Schneller als gedacht, kam das Heimweh. Die Zeit zwischen den Besuchen in Berlin fühlte sich unrealistisch an.
Warten. Feiern. Arbeiten. Zerstreuung.

Endlich wieder Urlaub und ab nach Berlin. Atmen können. Ich sein. Entspannung, untergehen in der Masse und akzeptiert werden für jeden chaotischen Gedanken.
Und dann wieder zurück und die Zeit überbrücken bis zum nächsten Mal. Und immer wieder dunkle Löcher voll Heimweh und Tränen.

Ich musste erst in mir wachsen um mich dieser Stadt zu stellen.

Es gab viele Stationen in denen ich hätte zurück ziehen können.
Nach dem ersten Praktikum, dem Versagen in der Fachoberschule, nach dem Ende der Ausbildung aber immer gab es Gründe, doch noch nicht die Koffer zu packen.

Letztes Jahr ging es dann doch endlich zurück. Im Gepäck: mein Mann und eine dicke Kugel voll Baby.
Eventuell ist es wie mit allen Dingen: alles hat seine Zeit und entwickelt sich so, wie es am besten funktioniert.

Wie es sich hier weiter entwickeln wird, erwarten wir voller Spannung.
Nun kommt erstmal der Frühling, dann der Sommer und wir können meine alte, neue Heimat entspannt kennenlernen und lassen das Leben hier auf uns zu kommen.

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Allgemein

Gedanken zum Blog

Als ich damals davon träumte, irgendwann wieder nach Berlin zu ziehen, habe ich einen Lifestyle-Blog führen wollen. „How to move“ 

Als ich schwanger und der Umzug plötzlich real wurde, wollte ich einen Ratgeber dazu verfassen.

Im Wochenbett wollte ich über meine Zeit darüber schreiben oder über die erste, große Reise mit Baby. 

Es gibt viele Themen die mich bewegen und ich wollte unbedingt einen Blog führen, der kein buntes Potpourri von Artikeln ist – aber sind wir mal ehrlich?

Das Leben ist ein buntes Potpourri und warum nicht genau so bloggen?!

Für mich soll es eine Hilfe sein, die verworrenen Gedanken zu sortieren und festzuhalten und wenn sich das hier jemand durch liest, Spaß daran findet und mir sogar folgt – Warum nicht?

Ich werde also alles bebloggen was mich interessiert, hauptsächlich wohl meine Gedanken als Mutter in diesem Gewirr aus der Informationsquelle Internet, Ratschlägen von außen, mein Umgang damit und dem eigenen Bauchgefühl.

Wie ist das denn so, mit Anfang 30, Mutter geworden zu sein? Wo stehe ich beruflich, wo will und kann ich noch hin, wie sieht die „neue“ Generation Eltern aus?
Wir leben Bindungsorientiert, tragen das Babymädchen im Tragetuch, sind für selbstbestimmtes abstillen, führen die Beikost ‚Breifrei‘ ein und weil wir ganz kuschelig sind, sind wir auch noch Familienbettkuschler – also komplett die alternative Schiene, aber ohne dabei ‚Öko‘ zu sein.

Das wäre so der Grundriss.

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Allgemein

Hallo Welt…

Das Problem an solchen „Ersten Malen“ ist ja immer, dass man es möglichst perfekt haben will.

Das erste Foto auf Instagram
Der erste Tweet
Der erste Blogeintrag

Und dann beginnt man sich ewig den Kopf zu zerbrechen um es am Ende doch irgendwie nicht hinzubekommen.

Da mich die eigene Erwartung zu meinem ersten Beitrag wohl mehr hemmen als beflügeln, nehme ich mir akut den Druck und präsentiere hiermit:
Frau Dingsdabums erster Blogeintrag.

Tadaaa!

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